Von integren Frauen

Günther Lanier, Ouagadougou, 9.6.2021


Von links nach rechts:
Madeleine Wayack-Pambè unterrichtet und forscht am ISSP der Joseph Ki-Zerbo-Universität in Ouagadougou[1];
Dorothée Batiga (am Mikrophon), in der ersten Hälfte der 2000er Jahre Präsidentin von Recife, eines Netzes von Frauen-NGOs, dann Gender-Expertin der niederländischen und jetzt Zivilgesellschaftsverantwortliche an der dänischen Botschaft;
ich selbst, Günther Lanier;
Hinter der Kamera – und das gilt für alle Fotos des heutigen Artikels[2] – Harouna Marané, Burkina Fasos Meisterfotograf.

* * *

Vorigen Donnerstag, den 3. Juni 2021, im Petit Meliès-Saal des französischen Kulturinstituts, konnte ich mein Mitte 2020 herausgekommenes Buch präsentieren: “Au pays des Femmes Intègres“ – “Im Land der Integren Frauen“[3]. Damit die Veranstaltung nicht zum Mansplaining verkommen konnte, noch dazu von einem alten weißen Mann, beschränkte sich mein Beitrag auf die 20-minütige Einleitung zum Buch. Abgesehen von einem kurzen Schlusswort, gehörte das Wort für den Rest der zwei Stunden meinen beiden Gästinnen und dem Publikum – Thema: die Zukunft der Frauen Burkina Fasos.

Ich kann Ihnen verraten: Die beiden haben geglänzt! Am Ende der zwei Stunden war die Diskussion in vollem Gang und darüber, dass wir den Saal räumen mussten, trösteten nur die Bissap-, Ingwer- und Baobabfrucht-Säfte aus Reine Akoandambous Koupadjana-Restaurant[4] und die Erdnüsse, die es draußen, im Garten des Kulturinstituts, noch als Begleitung für ein informelles Austauschen gab.

Ich werde mich nicht erdreisten, die Inputs meiner beiden Gästinnen zusammenzufassen – das steht mir nicht zu, vor allem aber würde die Verve ihrer Diskurse zur Gänze verloren gehen: Solche Mündlichkeit entsteht und funktioniert nur live.

In der Folge übersetze ich, mit kleinen Änderungen und Ergänzungen, meine Vorstellung des Buches. Da ich kein Redner, sondern ein Schriftsteller bin, hatte ich meine Worte zu Papier gebracht und las sie dann vor.

 [5]

Es begann mit Danksagungen, die erspar’ ich Ihnen.

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Das Buch, das ich vorstelle, ist mein fünftes, sozusagen mein Letztgeborenes, noch ein Baby. Die ersten drei sind nur für Deutschsprechende oder vielmehr -lesende interessant. Von den beiden letzten, diese dann auf Französisch, ist “Burkina Libre“ 2019 erschienen und das Buch, um das es jetzt und hier geht, “Im Land der Integren Frauen“, Mitte 2020.

Mit ihm wollte ich einen Überblick geben, so umfassend wie möglich, über die Lage der burkinischen Frauen – so etwas gab es noch nicht, ich hatte den Eindruck, dass es galt, diesen Mangel zu beheben. Freilich ist mir klar, dass 199 Seiten viel zu wenig sind, um sich einem so breiten Thema eingehend zu widmen, so musste es also bei einem “Überblick“ bleiben. In der Hoffnung, NachfolgerInnen zu finden, die Ausführlicheres leisten werden[6].

Meine Kompetenz in der Frage ist problematisch. Als weißer Mann ist trotz meiner Analysefähigkeiten und meines Interesses von allem Anfang an klar, dass ich alles andere als einE InsiderIn bin. Was ich bieten kann, ist der kritische und feministische Blick eines Außenseiters. Manchmal sehen Fremde ja Dinge, die für die Einheimischen unsichtbar bleiben, so gewohnt und gewöhnlich sind sie.

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Unser geliebtes Burkina Faso wird auf Französisch üblicherweise “das Land der integren Männer“ genannt. Wo bleiben da die Frauen? Sie sind versteckt, unauffällig, zurückhaltend, bescheiden. Über sie spricht mann nicht. Und sie sprechen nicht. “Sprechen ist männlich, schweigen weiblich“[7], wie es ein Zwischentitel auf der Seite 49 meines Buches proklamiert.

Fürwahr, im Französischen (und im Deutschen nicht minder) hat es System, dieses Vergessen der Frauen und Mädchen. Diese Praxis nennt sich “generisches Maskulinum“ und es handelt sich um eine große Ungerechtigkeit. Alles beginnt auf der sprachlichen Ebene: Im Saal hier sitzen Zuhörerinnen und Zuhörer und mein Buch und meine Artikel haben Leserinnen und Leser. Aber wenn wir das “generische Maskulinum“ verwenden, dann vergessen wir hinter den männlichen Formen die Mädchen und Frauen. Dazu wurden jede Menge Experimente veranstaltet: Die Leser, die Zuhörer, die Präsidenten, die Premierminister, die Ärzte, die Chefs, die Götter… – wenn wir das hören, assoziieren wir Männer, stellen wir uns automatisch Männer vor – und fast nie Frauen. Beginnen wir damit, Frauen auf der sprachlichen Ebene aus dem Schatten hervorzuholen, verwenden wir geschlechtergerechte Sprache.

Nach ein paar Jahrtausenden mit dem generischen Maskulinum könnten wir ja verlangen, von nun an das generische Femininum zu praktizieren, einige Zeit lang, ein paar Jahrhunderte oder Jahrtausende. Doch so weit gehe ich nicht – wir würden ja riskieren, die armen Männer hinter den weiblichen Formen zu vergessen…

Somit also “Im Land der Integren Frauen“. Der Titel meines Buches will aber mehr, als die Frauen aus dem Schatten holen.

Einerseits handelt es sich um eine Feststellung. Ich weiß nicht, ob es ein Land integrer Männer gibt – schauen Sie sich nur die Staatsspitze an: Roch? Und vor ihm Blaise? – Doch ich weiß, dass es dieses Land gibt, Burkina Faso, das ein Land integrer Frauen ist. Seite 196: “Mitnichten eine Heilige, nein, aus Fleisch und Blut, sorgt die integre Frau für unser Überleben. Sie gibt zu denken. Sie gibt sich hin, ohne Wenn und Aber.“

Aber der Buchtitel ist auch eine Herausforderung und ein Auftrag: Diesen Ehrentitel muss sich eine zunächst verdienen – und dann Tag für Tag neu erobern.

Was die integre Frau betrifft, geht der Text auf Seite 196 folgendermaßen weiter: “Sie hat ein Recht auf Wahrheit. Sie hat ein Recht auf Glück.“

* * *

[8]

Ich will Ihnen etwas erzählen, was nicht im Buch steht, was erst nach seinem Herauskommen passiert ist.

Ich bin Mitglied eines Vereins, der sich PARTNERS nennt, der sich vor allem das Empowerment der Mädchen und Frauen hierzulande zur Aufgabe gemacht hat. Sie wissen ja sicher, dass die terroristischen Angriffe in Burkina die Zahl der Binnenflüchtlinge in erschreckende Höhen getrieben haben, über 1,2 Millionen sind es nach den letzten Zahlen der Regierung. Unter diesen Binnenflüchtlingen sind viele Frauen und Kinder. Und die Frauen und Mädchen unter ihnen sind in noch viel höherem Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt als Frauen und Mädchen ganz allgemein. So haben wir uns gedacht, eine Ausbildung in Selbstverteidigung wäre angebracht. Wir wollten uns zuerst selbst ausbilden lassen, um zu wissen, worum es geht. Dabei drehte sich freilich in erster Linie alles um die Frauen unter uns, die ihr Wissen dann lehrend weitergeben sollen.

Inzwischen ist unsicher, ob wir mit den Binnenflüchtlingsfrauen und -mädchen werden arbeiten können. Die Frauen- und Sozialministerin will angeblich nicht, dass NGOs bei ihnen intervenieren. Außerdem wurde das Lager, das am Ostrand von Ouagadougou bestand, aufgelöst, die Leute wurden zurück in den Norden verfrachtet, was uns den Zugang erschwert. Wir werden daher ab Schulwiederbeginn zunächst einmal Schülerinnen der Unterstufe von Gymnasien einwöchige Selbstverteidigungskurse anbieten.

Doch zurück zu uns selbst. Die Ausbildung war überaus interessant. Wir haben gute und zum Teil überraschend einfache Techniken gelernt. Aber interessanter noch war, was für innere Hindernisse wir zuerst überwinden mussten – wohlerzogene Männer schrecken vor Gewalt zurück; doch wieviel mehr erst Frauen! Gute Erziehung ist natürlich fein, weil sie in Richtung eines gewaltlosen gesellschaftlichen Zusammenlebens agiert. Doch wenn Frauen mit persönlich gegen sie gerichteter Gewalt konfrontiert sind und sich wehren sollen, in solchen leider nicht ganz so seltenen Ausnahmefällen ist das ein großes, ja oft unüberwindbares Hindernis. Damit sie nicht von vornherein klein beigeben müssen, damit sie eine Wahl haben, gilt es zuallererst, sich “schlechter“, seit frühester Kindheit anerzogener Gewohnheiten zu entledigen. Physisches[9] und noch viel mehr Gewaltsames ist Sache des männlichen Geschlechts[10]. Es gilt, diesbezügliche Inkompetenz zu verlernen. Es gilt, die Ungeschicklichkeit abzulegen, sich nicht “blöd anzustellen“, nur weil es um heftig Körperliches, für Männer und Buben Reserviertes geht.

Es braucht viel Überwindung, damit eine Frau fest zuschlägt. Und sie braucht dazu höchstwahrscheinlich einiges Training. Wenn Vermeiden und Flucht – bei weitem die besten Formen im Umgang mit Gewalt – unmöglich sind, kann so ein festes Zuschlagen, zumal es unerwartet ist, lebensrettend sein oder eine Vergewaltigung verhindern.

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Zurück zum Buch und zu einigen Themen, die ich dort behandle:

Wenn wir es wissenschaftlich angehen, ist dann der Unterschied zwischen Frauen und Männern messbar? In vielen Ländern haben wir Statistiken, um wieviel die Gehälter von Frauen unter denen der Männer liegen. Doch wenn wir es umfassender meinen: Lässt sich die Gesamtsituation der beiden Geschlechter (Gender) vergleichen? Wenn ja, dann können wir auch internationale Vergleiche anstellen, dann können wir sagen, wo es Frauen – immer im Vergleich zu ihren Landsmännern – relativ besser geht. Es gibt mehrere Versuche, das zu tun. Der bekannteste darunter ist der alljährlich publizierte Gender Gap Index, in dem Burkinas Abschneiden alles andere als berühmt ist (Platz 124 unter 156 gereihten Ländern). Diesen erkläre und interpretiere ich im Buch im Hinblick auf die hiesigen Verhältnisse.

In Sachen Wirtschaft: Die Frauen, heißt es, produzieren 70% des burkinischen Bruttoinlandsproduktes. In der Landwirtschaft ist ihr Beitrag noch höher. Die Arbeit ist also ganz eindeutig ihnen zugeteilt. Doch nicht die Ernte! Nicht das Geld! Nicht die Macht!

So ist es also nicht überraschend, dass Armut vor allem weiblich ist.

 [11]

Was die Geschichte betrifft, habe ich vor der 1960er Unabhängigkeit nur drei wichtige Frauen gefunden: Yennenga, Guimbi Ouattara und Macoucou Traoré. Die ersten beiden waren Prinzessinnen. Yennenga gilt als die Stammmutter der Mossi[12]. Ob es sie wirklich gegeben hat oder ob es sich um einen Mythos handelt, ist allerdings ungewiss. Überraschend jedenfalls, dass so patriarchale Leute wie die Mossi sich auf eine Frau als Ahnin berufen. Guimbi (auch Guimbé) Ouattara lebte und wirkte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Westen des Landes, in und um Bobo-Dioulasso. Sie war dort so etwas wie die Vertreterin der Ouattaras aus Kong[13] und die einzige Frau, die ein für die Gegend typisches “Kriegshaus“ betrieb[14]. Als Samory Touré, der sich lange gegen die französischen Kolonialtruppen wehrte, bei den Einheimischen jedoch sehr gefürchtet war, als Samory Touré also drauf und dran war, Bobo-Dioulasso anzugreifen, war Guimbi Ouattara die einzige, die es wagte, zu ihm ins Feld hinauszupilgern (der Imam begleitete sie) und der es gelang, ihn davon abzubringen, die Stadt zu zerstören. Und schließlich die dritte im Bunde, Macoucou Traoré, besser bekannt unter ihrem durch Taufe und Heirat erworbenen Namen Célestine Ouezzin Coulibaly: Tochter eines Kantonschefs, war sie in der damals die politische Szene dominierenden RDA die Frauenverantwortliche und zu Ende der Kolonialzeit und gleich nach der Unabhängigkeit die erste Ministerin und die erste Parlamentsabgeordnete ihres Landes. Doch sie ist heute weitgehend vergessen.

Was Soziales betrifft, sich zweifellos aber auch gründlich auf die Psyche auswirkt, werden die burkinischen Frauen als die “ewigen Fremden“ bezeichnet. Denn in ihrer Ursprungsfamilie sind sie keine vollwertigen Mitglieder, da alle wissen, dass sie bald einmal – Kinderheirat ist bis heute weitverbreitet – wegziehen werden, um mit ihrem Ehemann zu leben. Und in der Familie ihres Mannes werden sie nie ganz dazugehören, weil sie von anderswo herkommen, weil ihre Plazenta, ihr Mutterkuchen, anderswo vergraben ist, wie es hierzulande ausgedrückt wird.

Wenn sie ihrem Mann dann Kinder gebären – vorzugsweise Buben –,wird sich ihre Stellung in der neuen Familie bessern.

Die Mutterschaft ist die oberste Stufe der Entwicklung der Frau[15]. Die Frauen sind die einzigen für die Reproduktion Verantwortlichen, das betrifft beileibe nicht nur, aber zuvorderst, die Reproduktion der Kinder. Für deren Ernähren und Erziehen sind sie zuständig. Aber ihre Kinder gehören ihnen nicht. Sollte es zu einer Trennung kommen, wird der Vater sich ihrer bemächtigen – Säuglinge werden vielleicht der Mutter gelassen, bis sie abgestillt sind, aber der “Eigentümer“ der Kinder ist der Mann, daran kann es keinen Zweifel geben.

 [16]

* * *

All das zusammen macht es den Frauen sehr schwer, das Wort zu ergreifen. Doch genau das ist nötig! Und es gilt, diesem Wort Gewicht zu verleihen. Finanziert von FreundInnen und Bekannten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, begleite ich seit 2003 einen Verein, der sich im Département Kongoussi gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für ihr Empowerment einsetzt, der “Song-manegre-Verein für die Entwicklung der Frauen“[17]. Nach Jahren exzellenter Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit insbesondere in Sachen Exzision (die in Burkina übliche Form der Genitalverstümmelung) und der Einrichtung von Frauenklubs in den 63 Dörfern und den fünf Stadtteilen der Hauptstadt des Départements, wurde offensichtlich, dass die A.F.D.-Frauen vor Ort zwar überaus engagiert waren, dass ihnen als Frauen jedoch in der Dorf- oder Stadtteil-Öffentlichkeit keine oder kaum Beachtung geschenkt wurde. Das hat sich inzwischen geändert. Unter anderem auf der Basis eines Systems von (wirklich sehr kleinen) Mikrokrediten wurden die Frauenclub-Mitglieder zu Kleinunternehmerinnen – manche kollektiv, manche einzeln, je nach Geschmack. Das verlieh ihnen das nötige Gewicht. Nicht nur wagen sie es jetzt, auch in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Männern das Wort zu ergreifen. Es wird ihnen auch zugehört.

 [18]

Mit der Selbstverteidigung oben und soeben mit der A.F.D. und ihrem Kampf gegen die Exzision ist die Sprache schon darauf gekommen: Es gibt noch Ärgeres als die Frauen betreffende ubiquitäre Ungerechtigkeiten. Es gibt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, angefangen von der Exzision, die ganz überwiegend an kleinen Mädchen unter fünf praktiziert wird; dann die Kinderheirat, die eine Hälfte der burkinischen Mädchen/Frauen betrifft und u.a. zu vielen viel zu frühen Schwangerschaften mit all ihren Problemen führt; dann die Frauen, die wegen Hexereivorwürfen aus Heim und Dorf verjagt werden … bis zur Vergewaltigung und zum Femizid.

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Zum Abschluss las ich zwei Passagen aus dem Buch vor.

Zunächst ein Zitat von Hélène Cixous von Seite 195, das in seiner poetischen Kraft schwer zu übersetzen ist:

Es tut not, dass die Frau sich schreibt: Sie schreibe von der Frau und sorge dafür, dass die Frauen zum Schreiben kommen, von dem sie ebenso gewaltsam ferngehalten wurden wie von ihren Körpern; aus denselben Gründen, aufgrund desselben Gesetzes, mit demselben tödlichen Ziel. Es tut not, dass die Frau sich zu Text bringt – wie zur Welt und zur Geschichte –, aus ihrem eigenen Antrieb heraus.“[19]

 [20]

Und dann noch aus dem Epilog, auf Seite 199:

“Träumen wir ein Land der integren Frauen und Männer, wo sich die EhepartnerInnen die Arbeit teilen, wo beide gerecht und gleich viel zur Produktion und zur Reproduktion beitragen, wo die eine nicht mehr vom anderen ausgebeutet wird. Wo der Mann sich auch um die Kinder kümmert. Und um den Haushalt. Und wo es nicht länger die Frau ist, die den Großteil der Feldarbeit verrichten muss.
Träumen wir dieses Land, wo die Absurdität der Gewalt gegen Frauen und Mädchen allen offensichtlich ist, wo es kein Verbrechen gibt, das so verpönt wäre wie dieser ärgste aller Verstöße gegen die Gesetze der Liebe, der Leidenschaft und der Eintracht, die jedem Paar, jeder Ehe, jeder Beziehung zwischen den Geschlechtern den Weg weisen sollten.
Träumen wir dieses Land, wo eineR dem und der anderen gleich ist. Wo das Geschlecht (Gender) weder das Prestige (das soziale Kapital) noch den Zugang zu Ressourcen (Grund und Boden, Bildung, usw.) noch die Zukunftsaussichten bestimmt. Wo alle die Zukunft nach ihren Wünschen, Präferenzen und Geschmack gestalten können.
Oh Burkina, setze Deinen Triumphmarsch fort, hin zum Horizont des Glücks!“[21]

* * *

Endnoten:

[1] Das Höhere Institut der Bevölkerungswissenschaften (Institut Supérieur des Sciences de la Population/ISSP). Die Université Joseph Ki-Zerbo – bis vor ein paar Jahren “Université de Ouagadougou/UO“ ist die älteste und größte Universität Burkina Fasos.

[2] Ausnahme: ein Foto von mir, das Harouna Marané vor Beginn der Veranstaltung zeigt, ihn “aus dem Schatten“ holt:

[3] Im Ceprodif-Verlag, 2020, 199 Seiten. Burkinische Verlage liefern nicht ins Ausland, nicht einmal in die Côte d’Ivoire oder nach Frankreich. Sollten Sie Interesse an dem Buch haben, so schreiben Sie mir ein Email (glanier Klammeraffe gmx.at) – ich werde im August/September inschallah in Wien sein und kann es dann zuschicken.

[4] Die bekannte Sängerin hat dieses Restaurant erst kürzlich eröffnet – eine Empfehlung! Wenn Sie auf der Avenue Charles de Gaulle stadtauswärts fahren, biegen Sie bei der letzten Ampel vor dem Kinderspital links ab – 100 Meter weiter liegt das Restaurant auf der linken Seite.

[5] Rechts Olivia Akoandambou (deren Foto die Vorderseite meines “Im Land der Integren Frauen“ ziert) und eine Freundin, die sich um den Verkauf meiner Bücher kümmerten. Von den zwei deutschen, die ich für alle Fälle auch mitgebracht hatte, haben sie sogar eines verkauft. Falls Sie Interesse haben: Die beiden deutschen Bücher sind NICHT bei Amazon, sondern nur beim Verlag zu haben: guernica-Verlag, Email: office@guernica-verlag.at oder Telefon 0043-664-1540742.

[6] Wie ich in meiner Schlussbemerkung, unmittelbar nach Monique Ilboudos abschließender Intervention, von der Seite 195 des Buches zitierend, anmerkte, bleibt ein burkinisches “Das andere Geschlecht“ (“Le deuxième sexe“, Simone de Beauvoirs zweibändiger Klassiker aus 1949 über bürgerliche Frauen in Frankreich) zu schreiben. Monique Ilboudos “Stadtrecht. Frausein in Burkina Faso“ (“Droit de Cité. Etre femme au Burkina Faso“), 2006 im Hamaria-Verlag in Ouagadougou erschienen, war ein Wegbereiter.

[7] “Parler est masculin, se taire féminin“.

[8] Madeleine Wayack-Pambè.

[9] Ausgenommen ist natürlich alles Physische, was mit Kochen, Kindern oder Arbeiten, insbesonder Feldarbeit zu tun hat.

[10] Ganz zu schweigen vom Töten. Eine Frau schenkt Leben, sie darf es nicht nehmen. Gibt es in Burkina ein Hendl zum Mittagessen, muss sich eine Köchin einen Mann suchen, der dem Tier den Garaus macht, sie selbst darf das nicht.

[11] Dorothée Batiga.

[12] Die Mossi stellen etwa die Hälfter der Burkinabè. Ihr früheres Siedlungsgebiet lag im Zentrum und Norden des modernen Staates.

[13] Nordost-Côte d’Ivoire.

[14] Zu Kong und vor allem diesen Kriegshäusern siehe Günther Lanier, Land der Integren. Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen, Linz (guernica Verlag) 2017, pp.30f.

[15] So hat es Simone de Beauvoir vor 70 Jahren in ihrem “Das andere Geschlecht“ (s.o.) für Frankreich formuliert.

[16] Reproduktion von ZuhörerInnen mittels Säften: Frauenarbeit, keine Frage. Diane Béréhoudougou links und Safiatou Rabo dahinter rechts.

[17] Association Féminine “Song-manegre“ pour le Développement (A.F.D.).

[18] Claire Ouédraogo, verheiratete Gyébré, die Präsidentin von A.F.D. Song-manegre (in Violett), mit ihrer Ältesten.

[19] Im Original: “Il faut que la femme s’écrive : que la femme écrive de la femme et fasse venir les femmes à l’écriture, dont elles ont été éloignées aussi violemment qu’elles l’ont été de leurs corps ; pour les mêmes raisons, par la même loi, dans le même but mortel. Il faut que la femme se mette au texte – comme au monde, et à l’histoire –, de son propre mouvement.“ Hélène Cixous, Le Rire de la Méduse, in: Hélène Cixous, Le Rire de la Méduse et autres ironies, Paris (Galilée) 2010, p.37.

[20] Monique Ilboudo bei ihrem “Schlusswort“. Die einst und jetzt wieder an der Universität von Ouagadougou unterrichtende Juristin und Autorin war in den 2000er Jahren die erste Menschenrechtsministerin, bevor sie lange Jahre Botschafterin in Kopenhagen wurde. Zu ihren schriftstellerischen Werken zählen neben dem erwähnten Sachbuch “Stadtrecht (Droit de cité)“ mehrere Romane, darunter, im September des Vorjahres herausgekommen, “Kreuzung der Witwen“: Monique Ilboudo, Carrefour des Veuves, Pointe-Noire (Les Lettres Mouchetées) 2020.

[21] Diese letzte Zeile spielt auf die burkinische Nationalhymne, die Ditanyè, an, wo dritte und vierte Zeile des Refrains folgendermaßen lauten:
“Et une seule nuit a déclenché sa marche triomphale:
Vers l'horizon du bonheur.“
Also: “Eine einzige Nacht hat seinen (des Volkes) Triumphmarsch
hin zum Horizont des Glücks in Gang gesetzt.“